Kenzie

Nein, Kenzie kam nicht so charmant in mein Leben gehüpft wie Sheela, wobei, gehüpft ist sie auch, und zwar bis unter mein Kinn, aber nach dem Motto, huhu, hier bin ich, und nicht nach dem Motto, huhu, da bist Du ja! Aber auch Kenzie hat sich mich ausgesucht, waren doch auf der Weide, wo ich sie kennen lernte, geschätzte 20 Hunde unterwegs, wovon sich 19 gar nicht für mich interessierten.

Kenzie ist ein Notfellchen und kam im November 2008 im geschätzten Alter von sechs Monaten zu uns. Sie kam nicht aus schlechter, sondern eigentlich aus gar keiner Haltung. Dem Hörensagen nach war sie aufgrund unverschlossener Hoftore überwiegend alleine unterwegs und ihre liebsten „Spielkameraden“ waren Autos. Dank Demjenigen, der die „Besitzer“ überredet hat, Kenzie einer Border Collie – Nothilfe zu übergeben. Ihrer Vergangenheit entsprechend war sie weder altersgerecht ernährt noch sozialisiert und es zeigte sich sehr schnell, dass hier eine Menge Arbeit bevorstand. Dazu kam, dass Sheela in der ersten Zeit nicht „kampflos“ akzeptieren wollte, dass wir unseren Haushalt vergrößert haben. Aber der Reihe nach…

Sehr zu schaffen machte uns die Ernährung. Kenzie hatte ständig Durchfall, wir haben nach allem möglichen Ungetier in ihr suchen lassen, experimentiertem mit diversen Futtern und unterschiedlichen Fütterungsprozeduren und hatten den „Durchbruch“ eigentlich erst nach der Zugabe von eingeweichten Karottenpellets und dem Beginn einer ostheopatischen Behandlung. Nach knapp zehn Monaten war Kenzie zwar immer noch dünn und die Ernährungssituation noch nicht ganz stabil, aber sie ist körperlich fit, riecht nicht mehr so streng aus Maul und sonstigen Poren, der Stuhlgang ist überwiegend gefestigt, und das Fell glänzt ganz wunderbar. Puh!

Nicht minder zu schaffen machte mir, dass Kenzie eigentlich nichts kannte (außer Autos). Ihre Reizschwelle war (und ist) sehr niedrig, jedes Geräusch, jede Bewegung, jede neue Umgebung, neue Menschen, andere Tiere, Kenzie rotierte wie ein Brummkreisel. Ganz furchtbar, weil auch so unglaublich gefährlich, ist die Tatsache, dass Kenzie Autos jagt(e), wobei sie hier ganz offensichtlich ein bestimmtes „Beuteschema“ hat. Dazu kam, dass Sheela zu der Zeit aus gesundheitlichen Gründen geschont werden musste. Ich hatte sehr viel Hoffnung in sie als doch ausgesprochen souveränen Ersthund gesetzt. Die Tipps und Tricks, die ich dann in der Grundausbildung bei Kenzie angewendet habe bzw. verwende, habe ich in einem separaten Kapitel niedergeschrieben.

Sheela hat sich im Übrigen – und für mich erwartungsgemäß – sehr schnell mit der Situation abgefunden, frei nach dem Motto „Kannst Du den Feind nicht besiegen, verbünde Dich mit ihm“. Die Zwei sind dicke Freunde geworden, tollen (wenn Sheela darf) herzhaft erfrischend durch die Wohnung oder übers Feld, teilen ihr Spielzeug, die Hundebox und die Couch, und schauen mir gemeinsam durch die Terrassentür nach, wenn ich das Haus verlasse. Sie haben ihr Zusammenleben geregelt, wer darf was, wann, wo. Nur beim Füttern musste ich helfen, weil Sheela bei der nur vermuteten Anwesenheit eines anderen Hundes ihr Futter buchstäblich aufsaugt, was einfach nicht gesund sein kann. Kenzie frisst nun zuerst hinter verschlossener Flurtür an Sheelas ehemaligem Fressplatz, Sheela wiederum ist „aufgestiegen“ und darf in aller Ruhe in der zum Wohnraum hin offenen Küche fressen.

Nun ist Kenzie ja schon eine Weile bei uns, und wir haben die meisten Problemchen im Griff. Sicher ist: Kenzie ist ein absoluter Quirl, ein Clown dazu, unglaublich agil (Agility???) und zeigt allerdings auch deutlich Schutztrieb. Nun, ich werde weiter berichten…

Zum Weiterlesen und Schauen: Kenzies Galerie; Kenzies Agilitytagebuch, Kenzies Erfolge, 1. Brief an Kenzie, 2. Brief an Kenzie, 3. Brief an Kenzie; Kenzies Trickkiste